Die Geschichte des Katana
In Japan ist das Schwert als Waffe und Machtsymbol bereits aus mythischer Vorzeit überliefert. Das neben Spiegel und Juwel zu den Reichsinsignien des Kaisers (Tenno) zählende Schwert ist von seiner Ahnfrau, der Sonnengöttin Amaterasu, auf den Tenno überkommen. Nach der Legende erschlug Susano-O, der „ungestüm Männliche“, der Bruder der „am Himmel erscheinenden, großen strahlenden“ Amaterasu-Omi-kami, mit einem Schwert einen achtköpfigen Drachen. Als er den Schwanz abschlug, sprang eine Schwertklinge hervor, die er Amaterasu zum Zeichen seines Sieges überreichte. Schärfe und Glanz dieser Klinge waren den sterblichen Nachfolgern der göttlichen Helden allerdings unerträglich. Der 10. Tenno ließ daher ein Duplikat anfertigen und übergab das Original dem der Sonnengöttin geweihten Schrein von Ise. Bei der Unterwerfung der nördlichen Inselbewohner rettete dieses wunderkräftige Schwert, das ihm vom Ise-Schrein in den Kampf mitgegeben wurde, dem kaiserlichen Prinzen das Leben. In eine Falle gelockt, gelang es ihm, mit dem Schwert die ihn umzingelnde Feuerfront aufzuhalten. Er mähte in weitem Bogen das Gras und zündete selbst ein Feuer an, das die Feinde vernichtete. Das berühmte Schwert führt daher den Namen Kusanagi – „Das Grasmähende“.
Obwohl sich in der japanischen Geschichtsschreibung der Ursprung des Schwertes im mythischen Dunkel verliert, ist seine chinesische Herkunft unbestritten. Die ältesten Schwerter Japans hatten eine zweischneidige und gerade Klinge mit beidseitig erhöhtem Grat und verbreiterter Spitze. Diese Form ist im chinesisch-buddhistischen Symbol des drachenumschlungenen Schwertes überliefert. Die Bezeichnung Ken oder Tsurugi leitet sich aus dem chinesischen Kien her. Auch dem einschneidigen Katana wird mythisches Alter zugeschrieben. Bis in die Nara-Zeit hinein spielte das Schwert zwar in allen legendären und historisch überlieferten Kämpen eine bestimmte Rolle, war aber nicht die Hauptwaffe. Nur wenn alle anderen Waffen – vorrangig Bogen und Pfeile, aber auch Lanzen und Speere – ausgeschaltet waren, diente es zur persönlichen Verteidigung.

Katana
Im selben Maße wie das Shogunat erlangten auch die Schwerter und damit die Schwertschmiede Bedeutung. War das Schwert zunächst ein Rangabzeichen und damit lediglich höchsten Würdenträgern vorbehalten, so wurde es nun ein Instrument der herrschenden Klasse. Für eine ganze gesellschaftliche Schicht, die Samurai, wurde das Schwert einziger Gebrauchsgegenstand zum Erwerb des Lebensunterhalts. Größe und künstlerische Ausstattung variierten entsprechend ihrer Bestimmung zur Repräsentation oder zum Kampf. Die Herstellung erfolgte unabhängig vom Rang der Träger einzelner Schwerter. Die Anwendung und den Besitz eines Schwertes regelten zunächst Sitte und Brauch, später Verordnungen.
Die Etikette erforderte, dass hohe Beamte des kaiserlichen Hofes sowie die Mitglieder der kaiserlichen Familie (die Kuge) stets ein langes Prunkschwert tragen mussten. Seine Ausstattung war den jeweiligen Gelegenheiten angepasst. Die einschneidigen höfischen Schwerter (Tachi) waren leicht konkav, bis 120 cm lang und am Griffende mit einer Quaste verziert. Von prunkvollen Beschlägen der Scheide gingen Seidenbänder aus, die ebenfalls in Quasten endeten. Mit diesen Gehängen wurde das Tachi am Gürtel befestigt, so dass es bis in Schenkelhöhe herabhing. Bei religiösen Feierlichkeiten am Hofe oder in der Begleitung des Tenno trug man ein dafür bestimmtes Prunkschwert, bei höfischen Festen wieder ein anderes. Für staatspolitische Zusammenkünfte war ein weiterer Typ des Tachi vorgeschrieben. Bei gleichbleibender Form variierten sie lediglich in der mehr oder weniger glanzvollen Ausstattung. jeder Typ war unter einem bestimmten Namen bekannt. Prinzipiell wurde zwischen Prunkschwertern für Feste (Gijo-no-tachi) und solchen für Ratsversammlungen (Hejo-no-tachi) unterschieden. Außer dem Tachi trug man, in der Gürtelschärpe versteckt, einen Dolch (Tanto). Seit Beendigung der großen Feudalkriege (um 1580) wurde er sichtbar getragen. Ein etwas kürzerer Dolch (Kaiken) gehörte auch zur Ausrüstung jeder Frau der Samurai-Klasse.
Als die Bedeutung des ländlichen Adels (Buke) und seiner stehenden Heere zunahm, gehörten die Schwerter als Nahkampfwaffe nicht mehr nur zur kriegsmäßigen Ausrüstung und Bewaffnung jedes Soldaten, sondern sie wurden ständiges Zubehör auch der zivilen Kleidung. In das breite textile Gürtelband (Obi) eingesteckt, trugen die Mitglieder des Kriegerstandes, vom Shogun bis zum einfachen Gefolgsmann, das etwa einen Meter lange Katana und das etwas kürzere Wakizashi. Beide werden unter dem Begriff „Dai-Sho“ (japanisch „groß und klein“) als zusammengehörendes Paar gefasst. Im Unterschied zu dem am Gürtel hängenden Tachi steckte das Daisho mit der Schneide nach oben im Gürtel. Durch die Verordnungen des Shogun Tokugawa leyasu wurde diese Sitte gesetzlich verankert. Sein 35. Gesetz besagt: „Das Schwert ist die Seele des Samurai. Wer es verliert, ist entehrt und der strengsten Strafe verfallen.“ Im Unterschied zu den Samurai, denen es erlaubt war, ständig zwei Schwerter zu tragen, durften seit dem Jahre 1603 Händler, Bauern und Bedienstete bei Feierlichkeiten, Hochzeiten, Beerdigungen ein kurzes Schwert, das Wakizashi, mit sich führen. Krämern, Bettlern, Mönchen und einigen Gruppen, die verachteten Gewerben nachgingen, war das Tragen von Schwertern gänzlich untersagt. Am kaiserlichen Hof hatte jeder Samurai seine Schwerter abzulegen. Shogun und Daimyo hatten das Recht, bei Feierlichkeiten am Hofe ein Tachi, anzulegen. Vor dem Kaiser durfte kein Samurai mit Schwert erscheinen. Näherte sich ein einfacher Samurai, ein Vasall, einem höheren Beamten, so musste er seine beiden Schwerter gegen eins, das Chisakatana, austauschen. Es war länger als das Wakizashi, aber kürzer als das Katana.
Kinder trugen denen ihrer Väter entsprechende Scheinschwerter aus Holz. Mit der Initiation in die Gesellschaft der Erwachsenen wurde, begleitet von umfangreichen Feierlichkeiten und ausgedehnten kultischen Handlungen am Ahnenaltar der Familie, den Knaben das Daisho und den Mädchen der Dolch verliehen.
Die Schwerter eines Samurai wurden im Hause auf einem speziellen Schwertständer, dem Katana-Kake, aufbewahrt. Er hatte seinen festen Platz in der Tokonoma, einer etwas erhöhten Nische gegenüber dem Eingang des Hauses. Auch das Katana eines Gastes wurde hier abgelegt. Das kürzere Wakizashi behielt der Gast neben seinem Platz. Die Schwerter bei einem Besuch im Hause eines Freundes im Gürtel zu belassen galt als äußerst unfreundlich. Dagegen gehörte es zu den gastfreundlichen Gesten, die kunstvolle Ausstattung der Schwerter, die Schönheit der lackierten Scheide gegenseitig zu bewundern. In die Betrachtung wurde nur der griffnahe Teil der Klinge einbezogen. Das Schwert blankzuziehen, bedeutete Feindseligkeit und den Bruch der Gastfreundschaft. Lediglich wenn es der bewundernde Freund ausdrücklich wünschte, zog der Besitzer das Schwert ganz aus der Scheide. Er tat dies von seinem Gegenüber abgewendet und unter vielen Entschuldigungen und Komplimenten.
Entsprechend der gesellschaftlichen Wertung, die das Schwert in den Epochen der japanischen Geschichte erfuhr, werden alle in Japan angefertigten Schwerter in drei Perioden zusammengefasst. Man unterscheidet die Periode der Koto, der „Alten Schwerter“, die bis zum Jahre 1573, dem Ende der Muromachi-Zeit, reicht; die Periode der Shinto, der „Neuen Schwerter“, sie beginnt mit der Tokugawa-Zeit; und die Periode der Shinshinto, der „Gegenwärtigen Schwerter“, sie kündigt sich gegen Ende der Tokugawa-Zeit an und setzt mit der Meiji-Zeit ein. Die bedeutenden Schwertschmiedemeister stammen aus der Koto- und Shinto-Periode.
Der hohen Wertschätzung der von ihnen gefertigten Schwerter entsprach auch die gesellschaftliche Stellung der Kaji, der Schwertschmiede. Zu allen Zeiten bekleideten sie als Künstler einen hohen gesellschaftlichen Rang. Das Schwertschmiedehandwerk übten Angehörige der Samurai und des Hofadels aus. Selbst Kaiser engagierten sich in höchstem Maße, indem sie in engem Kontakt mit Schwertfegern standen oder selbst mit Hand anlegten.
Kaiser Go-Toba (1138-1198) erklärte, die Schwertschmiedekunst sei eine prinzengemäße Beschäftigung. Aus dem 8. Jahrhundert ist überliefert, dass ein Shinto-Priester als Schwertfeger tätig war. Die japanischen Schwerter wurden also auch von Angehörigen der herrschenden Klasse gefertigt. Im Feudalismus war das japanische Schwert ideologisch, gesellschaftlich und technisch ein Produkt der herrschenden Klasse. Ihr allein diente es, und mit ihr verschwand sein Ruhm.
Da die Herstellung von Schwertern zu den höfischen Künsten gehörte, entstanden die ältesten Schwertschmiedezentren in unmittelbarer Nähe des kaiserlichen Hofes oder der Mitglieder der kaiserlichen Familie. Aus der „Alte-Schwerter“-Periode sind die Meister der Provinzen Bizen und Yamashiro hervorzuheben. Wegen seiner Festlandsnähe ist Bizen, im Süden der heutigen Präfektur Okayama, sicher ein Entwicklungszentrum der japanischen Schwertschmiede. Bis in die Heian-Zeit (794-1192) waren die Schwerter überwiegend aus China importiert worden. Tomonarli Masatsune, Takahira und Sukehira sind Namen berühmter Werkstätten von Bizen. Yamashiro, das Gebiet um die Kaiserstadt Kyoto, brachte neben Bizen die bekanntesten Schwertschmiedemeister hervor, unter denen Sanjo Munechika wie auch seine Schüler Yoshiiye und Kanenaga herausragten.
In der Kamakura-Zeit (1192-1333) verlagerte sich das Zentrum der Schwertproduktion nach Kamakura, der Hauptstadt des Shogun. Neben den Werkstätten von Bizen und Yamashiro entstand hier eine eigene Schwertschmiedetradition, die als Soshu bekannt geworden ist. Ihre berühmtesten Meister waren Yukimitsu, Masamune und Muramasa. Vorzüglich geschmiedete Klingen von außerordentlicher Schärfe kennzeichnen diese Schwerter. Den Klingen von Muramasa wurde zum Beispiel nachgesagt, sie seien „blutdürstig und unheilbringend“. Ihre Schärfe reiche aus, ein Blatt, das im Fluss gegen ein hineingehaltenes Schwert schwimme, zu zerschneiden. Tokugawa leyasu soll aus abergläubischer Furcht die Herstellung derart scharfer Klingen untersagt haben. Die aus jener Zeit überlieferten Schwerter zählen zu den kostbarsten Gütern der japanischen Kultur. Siebzehn von ihnen aus dem Besitz der Tokugawa-Familie sind seit dem 18.Jahrhundert als Nationalschatz registriert.
Infolge der zunehmenden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen mächtigen Feudalgeschlechtern entstanden in allen Teilen Japans immer neue Schwertschmiedewerkstätten. Da eine große Menge von Schwertern benötigt wurde, musste der traditionell langwierige Schmiedeprozess verkürzt werden. Im 15. und 16.Jahrhundert raffinierten immer weniger Schwertfeger den Stahl für ihre Klingen selbst, sondern verwendeten importierte und bereits gebrauchte Eisen- und Stahlsorten. Zu Beginn des 16.Jahrhunderts wurde die Kunst der Schwertfeger durch die Verleihung kaiserlicher Titel besonders gewürdigt. Die Titel Suke, jo, Daijo und Kami erschienen nunmehr vor den Namen der Schwertfeger. Diese hohe gesellschaftliche Wertung leitete zugleich den Niedergang der hochqualifizierten Schwertschmiedekunst in Japan ein. Mit der Befriedung des Landes durch Toyotomi Hideori und Tokugawa leyasu begann seit 1570 die „Neue-Schwerter“-Periode. Die Kampfschwerter verloren ihre Bedeutung und wurden durch Schwerter mit kürzeren Klingen abgelöst, die nunmehr Beiwerk der zivilen Kleidung wurden. Folgerichtig verlagerte sich auch die Aufmerksamkeit der Schwertschmiede von der Klinge zu den einzelnen Elementen ihrer Schäftung. Die Periode der Schmiede von Edo, der Hauptstadt der Tokugawa, und Osaka kennzeichnet die hohe künstlerische Gestaltung der Schwertzierate, die technische Perfektion und Meisterschaft in kleinsten Dingen des täglichen Bedarfs. Drachen, Blüten und Landschaften wurden vorherrschende Motive der Dekoration. Berühmte Namen in dieser Zeit waren Shimosaka Yasutsugu, der seinen Schwertern drei Malvenblätter (Aoi), das Familienwappen der Tokugawa, eingravieren durfte, Umetada Myojo, Horikawa Kunihiro, Kobayashi Kunisuke oder Inoue Shinkai, der die Tradition Masamunes fortsetzte. Zahlreiche Werkstätten in verschiedenen Provinzen des Landes bildeten eigene Traditionen schulmäßig aus. Die einzelnen Teile des Schwertes wurden immer häufiger von Spezialisten hergestellt. Sie produzierten getrennt voneinander, so dass der Schwertfeger nur noch für die Klingen verantwortlich war. Mehr als die Hälfte aller heute noch vorhandenen Schwerter entstammen dieser Schaffensperiode japanischer Schmiede. In allen Perioden der japanischen Geschichte gab es zusammen etwa 20.000 Schwertschmieden.
Die Technik des Schwertschmiedens
Ein Schwert zu schmieden, bedeutete nicht schlechthin ein Handwerk auszuüben, sondern war zugleich künstlerisches und technisches Schaffen in hoher Vollendung, sowie auch eine kultische Handlung. Eine umfassende Beschreibung aller Materialien und Methoden geben zu wollen, die von japanischen Schwertschmiedemeistern in Jahrhunderten genutzt und entwickelt worden sind, würde hier den Rahmen sprengen. Von den Erfahrungen ungebrochener Tradition getragen, haben sich lokal eigenständige Methoden und spezielle Techniken entwickelt, die als strenges Geheimnis in den Schwertfegerfamilien gehütet wurden. Peinliche Sauberkeit während des gesamten Schmiedeprozesses war oberstes Gebot. Dies galt nicht nur für den Arbeitsplatz und die Geräte, sondern auch für den Meister selbst. Bevor der japanische Schwertschmied (Kaji) sein meisterliches Werk begann, vollzog er in einem rituellen Akt die Reinigung seines Körpers, legte weiße Gewänder an und verbarg das Kopfhaar unter einer schiffchenförmigen Kappe. Vor dem Götterschrein, der in jeder Schmiede seinen festen Platz hatte, konzentrierte er seinen Geist auf die vor ihm liegende Arbeit, um ihr gutes Gelingen zu gewährleisten.
Die Arbeit des Schwertfegers begann mit der Raffination des Rohstahls. Die frühen Schmiedemeister reduzierten auch das Eisenerz in eigenen Rennherden. Als Rohmaterial für die Herstellung der Schwertklingen dienten Magnethiteisenerz und eisenhaltiger Sand. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurden gelegentlich importierte Eisen- und Stahlsorten verwendet, die man als „Namban“ (von den „südlichen Barbaren“ = Holländer) bezeichnete und auswies. Zur Aufbereitung des Klingenstahls nahm der Schmied eine Platte aus weichem Eisen und belegte sie mit ausgesuchten Bruchstücken von Rohstahl. In einem Schmiedefeuer von spezieller Kiefernholzkohle wurde beides erhitzt und zusammengeschweißt, anschließend ausgeschmiedet und abgekühlt. In abwechselnder Folge wurde dieses Metallstück in der Längs- und Querachse überlappt, im Holzkohlenfeuer durchgeschmiedet und erneut gestreckt und gebreitet. Um es vor störenden Verunreinigungen zu schützen, umhüllte es der Meister zwischen den Schweißprozessen mit einem Lehmmantel, der mit Strohasche durchsetzt war. Hammer und Amboss wurden ständig von Staub befreit. Kein Haar durfte auf das Klingenmetall fallen. Fünfzehn bis zwanzig mal wiederholte der Schmied den Vorgang des Überlappens, Schweißens und Schmiedens, so dass schließlich eine einheitliche Stange entstand, die sich aus mehreren tausend Lagen Stahl zusammensetzte. Oftmals wurden drei oder vier solcher Stangen – jede war in der genannten Weise hergestellt worden – zusammengeschweißt, wiederum mehrere Male überlappt und durchgeschmiedet. Mit jedem Glühen im Kiefernholzkohlenfeuer und anschließendem Schmieden war eine Veränderung des Kohlenstoffgehalts im Stahl verbunden. Der Stahl wurde systematisch aufgekohlt, während sich der Anteil von Verunreinigungen und Schlackeresten stetig verminderte. Bevor der Schmiedemeister den Schwertkörper ausformte, brachte er in das V-förmig gebogene Metallstück aus dem bisherigen Schmiedeprozess ein Kernstück aus relativ weichem Eisen ein. Kern- und Oberflächenmaterial wurden erneut zusammengeschweißt. Auf diese Weise erzeugten die Japaner Stahlklingen, die jene einzigartige Elastizität und Härte aufwiesen, die sie vor allen anderen Schwertklingen auszeichnen.
Verschiedene Klingenlängen - Tanto, Wakizashi, Katana (von unten nach oben)
Durch kontinuierliches Hämmern brachte der Schwertfeger am Ende die gewünschte Länge und Form der Klinge hervor. Die möglichst gering gehaltenen Unebenheiten ihrer Oberfläche glättete er anschließend mit Feilen und Schabern. Zugleich legte er die Schneide an, arbeitete die Angel aus und feilte den Durchbruch zum Befestigen des Griffholzes (Mekugi-ana) aus. Danach folgte der kritische Teil der japanischen Schwertschmiedekunst, das Härten der Schnittkante. Dieser Arbeit gingen wiederum rituelle Handlungen voraus. Die gesamte Klinge wurde mit einer dünnen Hülle aus Lehm, Flusssand und Holzkohlenpuder überzogen. In diesen Mantel zog der Meister mit einem dünnen Bambusstöckchen eine feine, gerade oder unregelmäßige Linie nahe der Schneide. Während des Trocknens entfernte er langsam den Teil des Lehmmantels zwischen der Schnittkante und jener Linie. Der Rest des Lehmgemisches trocknete an. Mit einer Zange fasste er dann die verhüllte Klinge an der Angel und hielt sie mit der blanken Schneide nach unten in ein Kiefernholzfeuer, das durch Blasebälge auf die erforderliche Temperatur gebracht wurde. Da der Schmiedemeister die richtige Hitze an der Farbe der glühenden Klingenschneide erkannte, wurde die Schmiede für diesen Prozess abgedunkelt. Eine überlieferte lyrische Anleitung enthält für das Härten folgenden Hinweis: „Man wärme den Stahl, bis er die Farbe des Mondes annimmt, wenn er sich an einem Juni- oder Juliabend rüstet, seine Reise über den Himmel anzutreten.“ Die glühende Klinge wurde in bereitstehendem Wasser abgeschreckt, dessen Temperatur nach jener Beschreibung die des „Wassers im Februar oder August“ haben sollte. Am Rand des Lehmmantels entstand eine Härtelinie, die auf den Schwertklingen deutlich zu erkennen ist, da sich der härtere Teil des Stahls auf der polierten Klinge heller absetzt. Die Form der Härtelinie (Hamon) ist sehr wichtig bei der Bewertung eines Schwertes. Am Ende seiner langwierigen Arbeit prüfte der Schwertfeger sein Werk gründlich und kritisch. Schließlich signierte er die Angel mit seinem Namen, seinem Titel, dem Ort und dem Namen des Auftraggebers oder des Tempels, dem das Schwert geweiht wurde. Erst danach händigte er es dem „Katana-togi“ aus, der die Schneide schärfte und die noch rohe Fläche der Klinge polierte. Mit Hilfe von neun Poliersteinen verschieden feiner Konsistenz, die er nacheinander vom Gröbsten zum Feinsten einsetzte, gab er dem Metall zunächst eine stumpfe Politur. Bis zu 15 Tage benötigte er zu dieser Tätigkeit. Um die Klinge nicht mit der Hand zu berühren, hielt er sie mit einem Stück Stoff, wenn er den Metallkörper vor- und rückwärts auf dem festgesetzten Stein über einem Wasserbottich rieb. Im Wasser wurden alle Staubteile sofort gebunden. Ihren strahlenden Glanz erhielt dann die Klinge, wenn sie der Polierer zuletzt mit feinstem Steinpulver abrieb.
Die Teile des Katana
Die Klinge des japanischen Schwertes ist gewöhnlich leicht gebogen, einschneidig und hat auf beiden Seiten gratartige Erhebungen, die den Charakter und Wert des Schwertes bestimmen. Nur die Klingen des kürzeren, Tanto genannten, Schwertes oder Dolches weichen von dieser Norm ab. Sie sind glatt, breiter und meistens gerade. Die durchschnittliche Klingenlänge beträgt nach japanischen Maßen über zwei „shaku“ beim Tachi und Katana. Ein shaku entspricht 30,3 Zentimetern. Zwischen ein und zwei shaku soll die Klinge des Wakizashi, unter einem shaku die des Tanto lang sein. Bewertet wird eine Klinge nach der vollendeten Gestaltung der sie charakterisierenden Teile. Dazu gehören die Spitze (Kissaki), die besondere Sorgfalt beim Schmieden und Polieren erfordert, die Gratlinien (Shinogi) und die Linie, die die Spitze von der übrigen Oberfläche absetzt (Yokote). Außerdem unterscheiden sich die Schwertklingen durch die schmale, breite, hohe oder flache Gestaltung des dem Rücken zugewendeten Teils der Oberfläche (Shinogi-ji) sowie durch dessen Dekoration in Form von Vertiefungen, Rinnen, Inschriften und ornamentalen Gravuren.

Die Einzelteile eines Katana:
1) Same-nuri – Rochenhaut
2) Menuki
3) Fuchi – Zwinge
4) Tsuba – Stichblatt
5) Kurigata – Bandhalterung
6) Saya – Scheide
7) Kashira – Griffkappe
8) Sage-o – Band zum Befestigen am Obi
9) Kogatana – Beimesser
10) Kogai – Schwertnadel
11) Hitoye – Rücken der Schwertangel
12) Mekugi-ana – Nietloch
13) Habaki – Muffe für die Saya
14) Shinogi-ji – polierte Fläche
15) Mune – Rücken der Klinge
16) Shinogi – Grat
17) Ko-Shinogi – Fortsetzung des Grates nach Yokote
18) Kissaki – Klingenspitze
19) Shiri – Angelspitze
20) Nakago – Angel
21) Jigane – der Schneide zugewandte Fläche
22) Yakiba – gehärtete Schneide
23) Jihada – ungehärteter Teil
24) Hamon – Härtelinie
25) Yokote – die Spitze absetzender Grat
26) Fukura – Schneide der Spitze
Gefäß und Scheide bildeten zu allen Zeiten die kunstvolle, der kostbaren Klinge entsprechende Hülle der geschätzten Schwertfegerarbeit. Verhältnismäßig bescheiden mutet die glatte Scheide (Saya) aus Magnolienholz an. Ihre Oberfläche wurde vorzugsweise in dunklen Farben gehalten oder mit verschiedenen natürlichen, aber auch der Natur nachgestalteten Materialien wie Muschelblättchen, Perlmutt und abgeschliffener oder nachgeahmter Rochenhaut überzogen. Kräftige Farben waren den Scheiden höfischer Schwerter vorbehalten. In ihren Dekor wurden oft die Wappenzeichen (Mon) der Familie des Trägers einbezogen. Einige Scheiden enthalten Aussparungen am oberen Rand. Sie waren für die Aufnahme eines kleinen Messers (Kogatana) und eines nadelartigen Instruments (Kogai) vorgesehen. Das Beimesser, dessen Griff (Kozuka) ein Teil der künstlerischen Dekoration des Schwerts ist, sitzt stets in der Rückseite (Ura) der Scheide oder des Schwertes. Es kam erst im 16.Jahrhundert in Gebrauch. Die Nadel steckt parallel dazu auf der Vorderseite (Omote). Die Griffteile beider Instrumente tragen gewöhnlich den gleichen Dekor. Wozu sie dienten, ist heute nicht mehr bekannt, es gibt jedoch vielfache Deutungen. Vermutungen legen nahe, dass im Kogai eine alte Form der Haarnadel überliefert ist, die dazu diente, das Haar unter den Helm zu stecken oder es zu ordnen, nachdem die Kopfbedeckung abgesetzt worden war. Das Kogatana kann mit einem ordentlichen Taschenmesser verglichen werden. Nahe der Scheidenmündung sitzt auf der Omote-Seite eine Öse (Kurigata), durch die ein Seidenbandgehänge (Sage-o) läuft. Die Scheide wird durch ein der Muffe vergleichbares Metallstück (Habaki) aus versilbertem oder vergoldetem Kupfer am oberen Ende der Schwertklinge so geführt, dass sowohl ihr Abgleiten als auch ein Reiben auf der hochpolierten Klinge verhindert werden.
verschiedene Fuchi aus Kupfer, Eisen, Bronze und Gelbmetallguss
Ein hölzerner Griff bedeckt die Angel. Um ihn festzusetzen, wurde ein kleiner Bambuspflock (Mekugi) in die vorgesehene Öffnung in der Angel eingeschlagen. Das Griffholz aus Mahagoni ist mit einem Stück dorniger Schuppenhaut eines Rochens (Same) bedeckt. Dieses wurde mit einem farbigen Seidenband so umwickelt, dass nur in rhombenförmigen Aussparungen die dornenartigen Erhebungen zu sehen sind. Gleichzeitig wurden die Metallkappe (Kashira) am oberen Ende des Griffes und kleine Metallreliefs (Menuki) kunstvoll und fest eingebunden. Bestimmte Hofschwerter und einige kürzere Schwerter haben keine Griffumwicklung, die Griffkappe wie auch die kleinen Griffzierate (Menuki) sind aufgeleimt. Den Abschluss des Griffes gegen das Stichblatt hin bildet die Zwinge (Fuchi). Ihr künstlerischer Dekor entspricht gewöhnlich dem der Kappe. Die kaum sichtbaren, reizvoll gestalteten Menuki dienten ursprünglich sicher dazu das Ende des Bambuspflocks, mit dem der Griff auf der Angel befestigt war, zu verdecken. Später erhöhten sie als Zierelemente zugleich die Griffigkeit. Bei hervorragenden Schwertern waren Schwertmessergriff, Schwertnadel und Menuki mit übereinstimmenden Motiven ausgestattet.
Kashira (oval) und Menuki aus Eisen, Messing und Kupfer
Zwischen Griff und Klinge wurde zum Schutz der Hand das Stichblatt (Tsuba) eingefügt. Es folgt der Zwinge und ist auf beiden Seiten von dünnen schmucklosen Zwischenscheiben (Seppa) aus versilbertem oder vergoldetem Kupfer eingefasst. Seine Frontseite ist zum Griff hin ausgerichtet. Seiner Funktion wie auch der künstlerischen Gestaltung nach ist das Stichblatt der wichtigste Teil der Ausstattung Japanischer Schwerter. Unabhängig vom Schwert und unter Missachtung seiner wertvollen Klinge ist ihm, einer Modeströmung folgend, zu Anfang unseres Jahrhunderts von vielen Sammlern und Autoren besondere Aufmerksamkeit gewidmet worden. Das Stichblatt hat gewöhnlich die Form einer flachen Scheibe, in deren Zentrum eine keilförmige Öffnung für die Angel ausgeschnitten wurde. Links und rechts von dieser Öffnung befinden sich weitere Durchbrüche, die die Griffteile des Schwertmessers (Kozuka) und der Schwertnadel (Kogai) aufnahmen. Wurden sie nicht gebraucht, so füllte man die vorgesehenen Öffnungen mit Metall aus. Während die frühen Stichblätter von Schwertschmieden und Plattnern in Verbindung mit dem Schwert hergestellt wurden, bildeten sich seit dem 15.Jahrhundert spezialisierte Meister und in späteren Jahrhunderten selbständige Schulen der Stichblatt- und Zierratherstellung aus. Dies trug wesentlich dazu bei, dass ihre Produkte kleine Kunstwerke in technischer Perfektion und bewundernswerter Vollkommenheit wurden und dem kostspieligen Leben der höheren gesellschaftlichen Schichten entsprachen. Die Stichblattform der ältesten Schwerter lässt das Vorbild der chinesischen Schwerter erkennen, die im 6. Jahrhundert nach Japan kamen. Diese „Shitogi“ erinnern weit mehr an verbreiterte Parierstangen mit korbartigen Bügeln als an die später gebräuchliche Scheibenform. Einfache Eisenstichblätter mit sparsamen ornamentalen Durchbrüchen, mit zum Teil deutlich erkennbaren Hammerspuren des Plattners, kennzeichnen die frühen Arbeiten.

Tsuba aus Eisen (16. Jh.)

Tsuba mit Tausendfüßlermotiv

Tsuba aus Shakudo (Legierung aus Kupfer und Gold)
Der gehobene gesellschaftliche Anspruch brachte eine unübersehbare Fülle technischer Raffinessen hervor, die es den japanischen Schmieden ermöglichten, naturalistisch getreu metallische Farbmalerei auf kleinstem Raum und ohne Zuhilfenahme fremder Werkstoffe zu vollbringen. Durch Metalllegierungen und Metallfärbung mit Hilfe von Beizmitteln rangen sie dem Material verschiedenste Farbtöne ab. Die technische und künstlerische Vollendung der ebenso dekorativen wie ästhetischen Gestaltung und das Einfühlungsvermögen in die Behandlung und Tönung des Metalls als einzigem Mittel farbiger Wiedergabe der Natur und Gesellschaft stellt alles europäische Können auf diesem Gebiet in den Schatten. Neben Eisen in guter Qualität dienten Silber, Bronze, Messing, Kupfer sowie drei spezielle Legierungen von Kupfer mit wenig Gold (Shakudo), mit 30 bis 50 Prozent Silber (Shibuichi) und mit Zinn und Blei (Sentoku, eine Messingvariation) zur Herstellung und Dekoration der Stichblätter und übrigen Schwertzierrate. Durch die Behandlung mit einer Beize, die sich aus Kupfervitriol, Alaun und Grünspan zusammensetzte, wurde den Kupferlegierungen unterschiedliche Oberflächenfärbung verliehen. Shakudo nahm entsprechend seinem Goldgehalt eine schwarze oder bläulich-schwarze Färbung an, Shibuichi variierte zwischen Olivbraun bis Grau, und Sentoku brachte das beliebte Chromgelb hervor. Kupfer selbst veränderte sein Aussehen in dem genannten Beizbad nach Fuchsrot. So betonen, die Farben die Kunstschmiedearbeit japanischer Meister, ohne den Metallcharakter zu verdrängen. Metalle unterschiedlicher Farbschattierungen wurden zur ansprechenden Gestaltung farbiger Szenen verarbeitet. Die Motive entsprangen einem unergründlichen Strom immer neuer Themen aus Natur, Gesellschaft und Mythologie.
Verschiedene Gravierungen auf dem oberen Teil von Tachi-, Wakizashi- und Tantoklingen
Vielfältig, dekorativ und mit größtmöglicher Akkuratesse sind auch die Oberflächen bei den verschiedenen anderen Schmuckteilen des Schwertes ausgeführt. Die häufig vorhandene gekörnte Oberfläche (Nanako) wurde durch Mattpunzen erreicht. Durchbrechungen für negative Silhouetten (Kizukashi) und plastisch ziselierte geometrische Ornamente (Marubori), aber auch feinste lineare Perforationen (Ito-zukashi) erzielte man mit Meißeln, Feilen und Sägen. Feine Gravierungen ahmten die zarten Linien der Tuschmalerei auf Metall nach (Katakiri-bori). Flache Reliefs wurden in die Oberfläche eingeritzt und geätzt (Niknuibori oder Shishiai-bori). Hochreliefs goss man in Modeln aus, um sie anschließend mit unterschiedlichen Metallauflagen farbig zu gestalten (Taka-bori). Die Japaner entwickelten eine Vielzahl von Methoden, um ein oder mehrere Metalle auf eine vorbereitete Oberfläche zu tauschieren (Zogan). „Hon-zogan“ bezeichnet das Verfahren, bei dem das gewünschte Motiv aus dem Grundmaterial in nach unten verbreiterten Rillen ausgeschnitten und danach der fremde Metalldraht so eingehämmert wurde, dass eine glatte Oberfläche entstand. Dagegen erzeugte „Taka-zogan“ ein die Oberfläche überragendes Relief. Die Unterlage musste dazu mit feinsten Ziselierungen und Aussparungen vorbereitet werden, die außerordentliche Präzision in kleinsten Ausmaßen verlangten. Weder mit dem Auge noch mikroskopisch sind die Fugen zwischen den Metallen der Miniaturbilder zu erkennen. Zur Verzierung von Eisenstichblättern rauhte man die Oberfläche auf oder gravierte sie, um dann einen dünnen Überzug aus anderem Metall aufschlagen zu können (Nunome-zogan). Reizvolle Muster wurden durch Auflöten und Aufhämmern von Drähten und Drahtstückchen aus Kupfer, Messing und Silber auf Eisenstichblätter erzeugt (Gomoku-zogan).
Es ist gänzlich unmöglich, alle Varianten technischer und künstlerischer Gestaltungsmittel zu nennen. Weit mehr noch übersteigt es unser Vermögen, den Motivreichtum zu ergründen. Viele Bilder, die dem Japaner vertraute Erzählungen wiedergeben, bleiben uns verschlossen. Jedes einzelne fordert uns jedoch volle Bewunderung ob der in ihm steckenden virtuosen Leistung des Meisters ab. Während europäische Schmiede vergleichbarer Jahrhunderte ausdrücklich bestrebt waren, kostbare Materialien wirken zu lassen oder aber vorzutäuschen, war für den Japaner jedes verwendbare Metall für die künstlerische Gestaltung wertvoll, sei es Eisen, Gold, Kupfer oder Silber. Nicht der Werkstoff an sich sollte zur Geltung gebracht werden. Den japanischen Metallhandwerker interessierte das Material mit all seinen Eigenschaften, die er sich entsprechend seinen Möglichkeiten dienstbar machte. Die Kostbarkeit eines Gegenstandes war daher nicht a priori im edlen Material begründet, sondern in der von Erfahrung geprägten Ausnutzung aller in der metallischen Grundstruktur begründeten Eigenschaften. Diese Grundhaltung, verbunden mit der jahrhundertelangen ungebrochenen Tradition handwerklicher Meisterschaft und Erfahrung ermöglichte es dem Schmied in Japan, gleich einem hervorragenden Künstler die verfügbaren Metalle nach seinem Willen zu gestalten und in Bildwerken lebendig werden zu lassen.
Bildquellen:
[1] Stephen Turnbull, Samurai-Krieger, ISBN: 3-931425-02-9, 1987, S. 129
[2] Anthony J. Bryant, Die Geschichte der Samurai 200 - 1600, ISBN: 3-87748-632-0, 2003, S. 99
[3] Lydia Icke-Schwalbe, Das Schwert des Samurai, ISBN: 3-327-00735-7, 2005, S. 23, 40, 41, 56, 57, 77, 79, 92, 93