Nakayama Masatoshi

Der Begründer des JKA

nakayama1Nakayama Masatoshi wurde 1913 in Tokio geboren. Er entstammte einem alten Samurai-Geschlecht von Fecht- lehrern und genoss schon von Kind an eine Erziehung im Sinne des Bushido. Sein Vater Nakayama Naotoshi diente als Stabsarzt in der kaiserlichen Armee. Dadurch verbrachte der Junge einen Teil seiner Kindheit in Taiwan, wo er Kendo und andere Bodo-Disziplinen zu trainieren begann. Nakayama Masatoshi sollte eigentlich in die Fußstapfen seines Vaters treten und Medizin studieren. Zu diesem Zwecke sollte er die Himeji-Universität in Tokio besuchen. In Japans Hauptstadt angekommen, schrieb er sich aber (ohne Wissen seiner Eltern) an der Takushoku-Universität ein, um dort chinesische Geschichte und Sprache zu studieren. Während seines Studiums begegnete er Sensei Funakoshi, welcher zu jener Zeit an der Universität Karate unterrichtete. Unter ihm begann er 1932, diese Kampfkunst zu studieren. Er blieb aber nur fünf Jahre lang bei Sensei Funakoshi, denn 1937 reiste er als Austauschstudent nach Peking und verbrachte die nächsten fünf Jahre an der dortigen Universität. Danach arbeitete er noch weitere fünf Jahre für die „chinesische Regierung“. (Zu jener Zeit gab es in der Mandschurei keine Regierung, sondern den von den japanischen Besatzern als Strohmann eingesetzten Mandschu-Kaiser Pu-Yi.)

Als Nakayama Masatoshi 1946 nach Japan zurückkehrte, konnte er von den enormen Veränderungen, die im Shotokan zwischen 1939 und 1943 stattgefunden hatten, nichts wissen. Die Karateka der älteren Generation wie Funakoshi Yoshitaka, Egami Shigeru, Hironishi Genshin und Noguchi Hiroshi hatten inzwischen eine hohe Stufe der Meisterschaft erreicht, aber auch die Schüler aus Nakayamas Jahrgang – wie Hidetaka Nishiyama oder Obata Isao – waren anerkannte Größen des Shotokan. Da die alten Sempai, unter denen Nakayama früher trainierte, nicht mehr am Leben waren, hatten Hironishi Genshin und Egami Shigeru die Leitung des Stils übernommen. Nakayama hatte aber zum Shotokan-Dojo ein gespanntes Verhältnis und appellierte an einige Junioren der Takushoku-Universität (besonders Mityata Minoru), ihm die in den Jahren seiner Abwesenheit eingeführten Neuerungen zu lehren. Da Nakayama 10 Jahre weg war, wurde er von den Schülern seiner eigenen Generation nicht mehr als ihresgleichen anerkannt. Seine Bemühungen, an der Takushoku-Universität das Karate in einen Wettkampfsport umzuwandeln, wurden daher von den meisten Shotokan-Experten zunächst belächelt. Trotzdem gelang es ihm, einige führende Meister des Shotokan, unter ihnen Nishiyama Hidetaka und Obata Isao, für seinen Plan zu gewinnen.

 

Zusammen mit ihnen und vielen Schülern der Takushoku-Universität gründete er 1949 - ohne Einwilligung Funakoshi Senseis - die JKA (Japan Karate Association). Als Vorstand wurde Obata Isao gewählt, der die JKA jedoch bald darauf wieder verließ und zurück zu den Shotokan-Übungsleitern ging. Meister Funakoshi wurde ohne seine Zustimmung zum Ehrenausbilder ernannt. Seine Beziehung zur JKA war mehr als lose. Die Verbandspolitik dieser Organisation und ihr unbändiges Streben nach Macht und internationaler Verbreitung fand nicht seine Anerkennung. Für die JKA war der alternde Meister nicht mehr als ein zum Symbol gewordener wehrloser Mann, dessen Namen man als Markenzeichen verwendete. Man berief sich auf sein Erbe, doch seine Kunst wurde zu eigennützigen Zwecken missbraucht.

Nakayama und Nishiyama arbeiteten Regeln für Wettkampf-Karate aus und trainierten in einem Instuktorenkurs Übungsleiter dafür. Der Hauptverdienst in der Ausbildung der Elitegruppe der JKA-Instrukteure gebührt zweifellos Nishiyama Hidetaka, der zu Recht zu den größten Karatelehrern nach dem Krieg gerechnet wird. Nishiyama war auch in den fünfziger Jahren die bedeutendste Persönlichkeit der JKA, als Lehrer weit über Nakayama einzustufen und in Japan eine Kultfigur. Auch als Nakayama später Chefinstrukteur wurde, blieb Nishiyama die anerkannte Autorität. Er wich schließlich 1960 in die USA aus, um einem drohenden Konflikt mit Nakayama aus dem Wege zu gehen, und gründete dort seine eigene Organisation. Im Jahre 1955 übernahm Nakayama Masatoshi selbst die Leitung der JKA, und es gelang ihm, den ersten offiziellen Wettkampf auszutragen. Meister Funakoshi erlebte dies nicht mehr. Unter der Leitung von Sensei Nakayama wuchs die JKA zu einer renommierten, weltweit verbreiteten und sehr erfolgreichen Karate-Vereinigung.

nakayama2Obwohl die Auffassung der JKA, ihre Verbreitungspolitik und ihr Machtstreben von Meister Funakoshi nie gebilligt wurden, und obwohl der Wettkampf das Karate in ein oberflächliches Formsystem – in dem die ursprünglichen Werte des Karate-Do untergehen – umzuwandeln droht, darf man Nakayamas Lebenswerk zur weltweiten Verbreitung des Shotokan-Karate nicht unterschätzen, und sollte ihm dafür den nötigen Respekt zollen. Nakayama Masatoshi verstarb am
15. April 1987. Die Lücke, die er in der JKA hinterließ, konnte nie wieder geschlossen werden.