Seppuku - der ehrenvolle Tod

"Wenn die Ehre verloren ist, ist es besser zu sterben, der Tod ist eine sichere Rettung vor der Schande."

Seppuku ist der höfische Ausdruck der Selbstentleibung der Samurai. Es wird auch als Harakiri (bürgerliche Bezeichnung), Kappuku, Tofuku oder Oibara bezeichnet. Das erste Seppuku wurde 1170 durch Minamoto Tametomo begangen. Minamoto Yoritomo erklärte 1191 Seppuku zum ehrenvollen Ritual der Kriegerkaste. Ab diesen Zeitpunkt entwickelten sich immer genauere Vorschriften für diesen Brauch. Es war nicht nur ein selbstmörderischer Akt, sondern legal und würdevoll zugleich.

Im Jahre 1333 begingen 800 Gefolgsleute des Shogun in einer Höhle in der Nähe von Kamakura Seppuku, um nicht in Gefangenschaft zu geraden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich etwas Neues, Unheimliches entwickelt. Selbstmord wurde von nun an endgültig zur Ehrenpflicht der Samurai. Es galt als Schande, in Kriegsgefangenschaft zu geraten.

Holzschnitt mit der Abbildung des bemerkens werten Selbsmordes von Miura Yoshimoto. Dieser schlug sich beim Kampf in der Burg Arai gegen die Hojo im Jahre 1516 angeblich selbst den Kopf mit dem Schwert ab. Die japanischen Schwerter waren für ihre Schärfe berühmt, und das von Yoshitomo stammte von Masamune. Die Frage ist allerdings, ob diese Art Seppuku physikalisch überhaupt möglich ist.
Holzschnitt mit der Abbildung des bemerkens
werten Selbsmordes von Miura Yoshimoto.
Dieser schlug sich beim Kampf in der Burg
Arai gegen die Hojo im Jahre 1516 angeblich
selbst den Kopf mit dem Schwert ab.
Die japanischen Schwerter waren für
ihre Schärfe berühmt, und das von
Yoshitomo stammte von Masamune.
Die Frage ist allerdings, ob diese Art
Seppuku physikalisch überhaupt möglich ist.

Ein Krieger konnte durch Seppuku seine Vergehen sühnen, seine Irrtümer entschuldigen, großer Schande entfliehen, seine Freunde rächen und zeigen, dass er keine Todesangst hatte. Es gab verschiedene Anlässe für einen Samurai, Seppuku zu begehen. Der wichtigste ist das Junshi, der "Selbst- mord des glücklichen Abschieds", der verübt wurde, um seinen Herrn in das Jenseits zu folgen. Dies war zu Beginn der Tokugawa-Periode sehr verbreitet, doch wurde bald verboten, da zu viele Menschenleben auf diese Weise verloren gingen. Das letzte bekannte Junshi geschah 1912 durch den General Nogi beim Tod des Meiji-Kaisers.

Doch durch dieses Verbot kamen viele Samurai in einen unlösbaren Konflikt. Das Bushido schrieb ihnen vor, bestehende Gesetze nicht zu brechen. Doch genauso war die "unbedingte Bereitschaft zum Tod" eine wichtige Regel des Bushido. Aus diesem Konflikt entstand das Hagakure. Dies war die Aufforderung einiger hoch angesehener Samurai an den Fürsten Tokugawa , zu den alten Traditionen zurück zu kehren. Die Sammlung dieser Schriften mahnte davor, dass der Geist des Bushido ohne die "Bereitschaft zum Tod", sterben werde. Das Verbot blieb jedoch bestehen, konnte aber nicht alle Junshi verhindern. Weitere Gründe für Seppuku waren Schande zu vermeiden oder zu sühnen, gegen Vorgesetzte oder deren Handlungen zu protestieren oder, um nicht in Gefangenschaft zu geraden. In der Tokugawa-Periode wurde Seppuku für Samurai als richterliches Urteil auferlegt, mit dem sie der ehrlosen Hinrichtung (z.B. Erhängen oder Kreuzigen) entgehen konnten.

 

Der Methode des Seppuku liegt die uralte japanische Vorstellung zu Grunde, dass die Seele und tiefere Empfindungen im Bauch (Hara) sitzen. Das Bauchöffnen bedeutet soviel wie: "Schaut her, in diesem meinem letzten Augenblick sind meine Seele und meine Gedanken unbefleckt; ich sterbe in Reinheit." Für dieses Ritual war ein übermenschlicher Mut nötig, aber genau das war für die Kriegerkaste so anziehend.

Der Rahmen wurde von einem Kreis offizieller und privater Zeugen gebildet. Der Todgeweihte kam im weißen Gewand und seinem Sekundanten (Kaishakunin), einem Freund oder Verwandten in den Raum. Der Samurai setzte sich im Seiza auf ein ausgebreitetes weißes Tuch, zog die Jacke von den Schultern nach unten und schob die Ärmel unter die Unterschenkel, um nicht nach hinten zu kippen. Mit freiem Oberkörper nahmt er nun das vor ihm liegende Wakizashi oder Tanto, stieß es sich tief in die linke Bauchseite und zog es nach rechts hinüber. Dann drehte er das Messer und zog es Richtung Herz nach oben. Letzteres kam aber nur selten vor, da die meisten schon eher verbluteten. Das leichte Erheben des Körpers während des Vorganges sollte zeigen, dass er nicht mehr an seinem Leben hing. Wenn der Delinquent den Kopf neigte, trennte ihn der Sekundant durch einen Schlag mit dem Katana vom restlichen Körper. Dies erfolgte, um das Leid des Sterbenden zu beenden. Nach einem kurzen Moment der völligen Ruhe erhoben sich die Anwesenden und verließen den Raum mit feierlicher Miene. Die Taten des Toten waren gesühnt und seine Ehre wieder hergestellt.

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Die einzelnen Phasen eines offiziellen Seppuku

Die einzelnen Phasen eines offiziellen
Seppuku

Samuraifrauen begingen Selbstmord, indem sie sich mit ihrem Dolch (Kaiken) eine der beiden Halsschlagadern öffneten. Dabei trugen auch sie die Farbe weiß. Frauen töteten sich aber immer erst nach dem Tod des eigenen Mannes.

Seppuku wurde aber auch aus falscher Überzeugung begangen. Viele Samurai oder Ronin kamen mit ihrem Leben nicht zu recht und waren "zu feige zu leben". Doch dies war gegen den Geist des Bushido und hatte mit dem rituellen Seppuku nichts zu tun.