Bonsai - Natur im Miniformat

bonsai3 Bonsai, ein Begriff der fremd, ja mystisch klingt, als ob er mit etwas Geheimnisvollen umgeben sei. Beschäftigen wir uns genauer mit dieser alten ostasiatischen Kunst, so entdecken wir, dass mit ihr auch unsere Beziehung zur Natur deutlich wird. In ihr steckt die Seele Japans. Für Europäer könnte diese Kunstrichtung den Eindruck erwecken, dass die natürlich wachsenden Bäume misshandelt und verkrüppelt würden. Doch den wahren Reiz des Bonsai entdeckt man sicher, wenn man mit dem Gedanken in Berührung kommt, dass der Baum in der begrenzten Schale die Unvergänglichkeit des Lebens in der Natur und im Universum wiederspiegelt. Bon heißt auf Deutsch „Tablett“, „Schale“ und sai kommt von saibai und bedeutet „gärtnerische Zucht“. Inhaltlich wäre also Bonsai etwa mit „Pflanze auf dem Tablett“ zu übersetzen. Der Bonsai verkörpert aber mehr, nämlich ästhetische Natur, zwar künstlich geschaffen und korrigiert, aber immer so, wie es auch im Großen sein könnte. Bonsai sind tatsächlich winzige Bäume. Ebenso gibt es aber auch Bonsai von Sträuchern, Schilf oder Blumen. Mehr als 70 cm können sie, von der Wurzel bis zur Krone, hoch werden. Jeder Bonsai ist ein Kunstwerk, das viele Jahre - wenn nicht Jahrzehnte - benötigt, um vollkommen zu werden. Das Beschneiden und Fermen ist kein Verkrüppeln, sondern ein künstlerischer Eingriff, um das Wesentliche und Typische einer Pflanze stärker, als es die Natur vermag, hervorzuheben. Dadurch wirkt der Bonsai so „echt“. Bonsaikulturen vergegenwärtigen ein Stück der Umwelt, stetiges Wachstum, den jährlichen Neubeginn im Frühjahr, die Lebenskraft der Natur. Sie stellen das verkleinerte Abbild eines von Wind und Wetter gezeichneten Baumes dar.

Bei allem was wir mit und für die Pflanze tun, müssen wir deren natürliche Herkunft und Standort beobachten und nachahmen. Grundlegend unterscheidet man nach dem Standort nach zwei Gruppen von Bonsai:

Freilandbonsai kommen auf den Balkon, die Terrasse, ins Treppenhaus oder den
Ziergarten. Sie werden aber zum Überwintern in Torf oder Erde eingefüttert und an
einen geschützten Platz gestellt. Die Technik der Freilandbonsai wurde in Japan und
China entwickelt. Ihre winterharten Bäume waren fast das ganze Jahr über im Freien
und kamen nur an wenigen Wintertagen ins geheizte Haus.
Zimmerbonsai stellt man auf das Fensterbrett, einen Bonsai-Tisch oder in den
Wintergarten. Auf jeden Fall muss man die Sonne beachten. Einige Pflanzen
  benötigen eine kühle, aber frostfreie Winterruhe.

bonsai2 Sich ständig mit dem Bonsai beschäftigen und sich an ihm zu erfreuen, schließt auch die tägliche Pflege ein. Dabei ist folgendes zu beachten:

Erdballen ständig feucht halten. An warmen Tagen Blätter öfter übersprühen. Während der Winterruhe wenig gießen. Junge Bonsai öfter, ältere weniger und nur im Sommer 3 bis 6 mal flüssig düngen (etwa mit der Hälfte der angegebenen Konzentration). Schädlinge und Krankheiten bekämpfen wir vor allem durch Absammeln der Schädlinge und Entfernen kranker Pflanzenteile. Vorsicht bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln! Junge Bonsai verpflanzt man jedes 2. bis 3. Jahr, ältere dann alle 5 Jahre.

 

Die Größe des Gefäßes sollte man immer der Größe und Form der Pflanze anpassen. Das Gefäß darf aber nicht Mittelpunkt des Bonsai sein. Aus optischen Gründen wählt man den Hinter- und Untergrund für jeden Bonsai schlicht und zurückhaltend. Spitzendeckchen oder gemusterte Tapete sind nicht der passende Rahmen für ein derartiges Kunstwerk. Verpflanzt wird, indem die gesamte lockere Erde aus dem Wurzelballen ausgeschüttelt wird. Alle dabei hervortretenden Wurzeln werden kurz abgeschnitten. Mit einem Erdgemisch aus frischem Kompost, Torfmull und Kies zu gleichen Teilen (bei Moorbeetpflanzen Nadelerde statt Kompost) wird die Pflanze wieder in die richtige Position eingesetzt und durchdringend gegossen. Die Erde wird geglättet, eventuell vorhandenes Moos wieder aufgelegt und ein Gießrand eingedrückt. Zwischen Umtopfen und Schnitt braucht die Pflanze drei Wochen Ruhe.

bonsai1 Die eigentliche Kunst der Bonsai-Kultur liegt darin, die Pflanze zu formen und diese Form über viele Jahre so zu erhalten, wie sie in der Natur als große, imposante, bizarre und auch ästhetisch schöne Baumform zu sehen ist.
Dazu können hier nur einige wichtige Hinweise gegeben werden: Der Stamm (oder auch mehrere) muss als Bonsai-Jungpflanze durch Biegen, Binden und Schneiden in die von uns gewünschte Form gebracht werden. Von den sich am Stamm bildenden Seitenästen werden nur die vorgesehenen Hauptäste belassen, so dass der Stamm sichtbar bleibt. Die Hauptäste können mit den gleichen Mitteln verändert werden. Die Verästelung an den Hauptästen wird kurz gehalten und je nach Wüchsigkeit ausgelichtet. Dies ermöglichen einige gärtnerische Techniken:

Umwickeln von Stämmen und Ästen mit nicht rostendem Draht dann folgt das Formen und Biegen, u.a. durch das Herunterziehen von Ästen mit haltbaren Fäden Kurzhalten der Verästelung durch Schnitt, Pinzieren und Auszupfen mit den Fingern bei Kiefern Ausbrechen oder Stutzen der Kerzen. Der Wurzelansatz wird (bei jedem Umpflanzen etwas deutlicher) herausgearbeitet; als sichtbarer Ursprung der Pflanze.

Im Bonsai soll sich das Wesentliche der Baumart widerspiegeln. Der natürliche Gesamteindruck muss bleiben, also klare Linien herausarbeiten, Schwerpunkte schaffen! Bei den Gestaltungsmöglichkeiten werden 13 Stilrichtungen unterschieden:

Chokkan (streng aufrecht)
Moyogi (frei aufrecht)
Shakan (geneigte Form)
Kengai (Kaskaden-Hängeform)
Fukinagashi (windgepeitschte Form)
Hokidachi (Besenform)
Bunjiugi (Literatenform)
Hankan (geschlungene Form)
Kabudachi (mehre Stämme
    wachsen aus einer Wurzel)
Netsuranari (kriechende Form)
Ikada-buki (Flossform)
Yose-ue (Waldform)
Sekijoju (Felsenform)

Wer von Euch jetzt Lust bekommen hat, es einmal selbst zu versuchen, sollte sich dazu aber etwas Literatur besorgen. Ein gutes Buch dazu gibt es vom Naturbuch Verlag: „BONSAI“ von Luigi Crespi.