Die 5 Heian Kata - Ruhe und Frieden

Sensei Yasutsune Itosu entwickelte 1905 die fünf Pinan Kata aus der Kata Kunshanku (heute Kanku-Dai). Wahrscheinlich verwendete er auch Teile aus der Bassai-Dai. Die neu entstandenen Katas waren weniger kämpferisch ausgelegt, sondern waren mehr auf das Üben der fundamentalen Techniken und das gymnastische Training ausgelegt. Damit entstand ein neues Konzept in der Geschichte der Kata. 1907 führte man Karate als Lehrfach in die Sekundarschulen auf Okinawa ein.

Durch diese Übernahme entwickelte sich die tödliche Kunst des Karate an den Schulen immer mehr zu einer Selbstverteidigung und Gymnastik. Sensei Itosu war also verantwortlich für eine neue Ära, aus der geheimen Kampfkunst entstand eine Art Gruppengymnastik. Dies ist auch der Grund, warum es in den Heian Katas keine tödlichen Techniken, wie zum Beispiel Ippon-Nukite zu den Augen oder Leistentritte gibt. Alle Katas beginnen und enden mit einer Abwehrtechnik, um einen Ausdruck der Demut und der Nicht-Aggressivität zu zeigen.

Meister Gichin Funakoshi benannte die Pinan Katas in Heian um. Er entwickelte den Namen aus den Anfangssilben von Heiwa und Antei was „Ruhe“ und „Frieden“ bedeutet. Heian war aber auch eine Epoche in der Japanischen Geschichte (794-1195). Die Bedeutung „Ruhe und Frieden“ weist auf ihren psychologischen Gehalt hin, denn die Übenden in diesem Stadium sollen Demut und Achtung entwickeln. Die Heian Kata sind identisch mit den Pinan Katas, die in anderen Ryu unterrichtet werden wo der alte Name beibehalten wurde. Schüler, die mit dem Karate-Do begonnen haben, sollten zuerst nur die Heian Katas gut und sicher beherrschen.

 

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Heian Shodan

Die Heian Shodan ist die fundamentalste der 5 Katas. Sie besteht aus fünf Techniken und zwei Stellungen: gedan barai, chudan oi tsuki, age uke, shuto uke und tettsui uchi sowie zenkutsu dachi und kokutsu dachi. Die Kata schult den Einsatz der geradlinigen Hüfte und besitzt 21 Bewegungen, welche in cirka 40 Sekunden absolviert werden sollten. Geübt werden Beinbewegungen und Richtungsänderungen, sowie die Haltung des Oberkörpers und verschiedene Spannungsverhältnisse. Bunkai-Schwerpunkte der Kata sind tettsui uchi als Gegenangriff nach einem Festhalten sowie age uke und shuto uke als Konter.

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Heian Nidan

Anfangs wurde diese Kata Heian erste gelehrt, so ist heute Heian Nidan gleichbedeutend mit der Pinan Shodan, die in anderen Stilen unterrichtet wird. Sensei Yasutsune war der Meinung, dass man leichtere Dinge nach schwereren Sachen wiederholen sollte. Deswegen stand die Heian Nidan ursprünglich vor der Heian Shodan.
Mit der häufigen Wiederholung von kokutsu dachi mit shuto uke soll eine Festigung der Stellung erreicht werden. In den 27 Bewegungen sind Techniken wie mae geri und uraken gegenüber der Heian Shodan neu. Einen wichtigen Aspekt stellt das gyaku hamni der Hüfte dar.

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Heian Sandan

Diese Kata ist die Grundlage für die späteren Katas Tekki, Jion, Ji`in und Jitte. Die insgesamt 20 Bewegungen sind überwiegend für den Nahkampf ausgelegt. Der Anspruch erhöht sich, da viele Techniken gleichzeitig ausgeführt werden, zum Beispiel uchi uke und gedan barai (kosa uke), oder tate tsuki und ushiro empi. Der kiba dachi wird hier in vielen Möglichkeiten geübt, so beim Vorgehen, Drehen über den Rücken und beim Gleiten. Die Zwischenstellung ryoken koshi kamae tritt zum ersten Mal auf und kann zum Energiesammeln oder zum Blocken genutzt werden. Eine wichtige Kombination ist das Vorgehen mit mika zuki geri, gefolgt von fumi komi mit uraken als Konter. Die Dauer der Kata sollte etwa 40 Sekunden betragen.

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Heian Yondan

Auffallend ist der Beginn dieser Kata, welcher sehr dem der Heian Nidan ähnelt. Jedoch sind hier die Hände offen und die Hüftdrehung kommt gleichzeitig mit dem Senken der Arme. Im Bunkai wird dies als Wurf umgesetzt. Es kommen viele Fußtechniken (mae geri, yoko geri) und verstärkt kokutsu dachi mit shuto uke vor. Durch die Doppelblöcke (kakiwake uke) und die Fußtechniken entsteht eine höhere Dynamik als bei den anderen Heian Katas. Fortgeschrittene Techniken wie hiza geri oder morote kubi osae werden geübt. Die Kata besteht aus 27 Bewegungen die in rund 50 Sekunden auszuführen sind. Sie weist starke Ähnlichkeiten zur Kanku Dai auf.

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Heian Godan

Diese Kata weist sehr viele höhere Techniken, wie jodan chudan juji uke, mae emnpi oder manji uke auf. Aber auch neue Stellungen, wie reinoji dachi oder kosa dachi werden geübt. Durch die Vielseitigkeit der Techniken lehrt die Kata einen umfangreichen Kampfstil und erhebt zugleich einen hohen Anspruch an Rhythmus und Timing. Die 25 Bewegungen vereinigen mehrere Grundprinzipien, so zum Beispiel mizu nagare kamae, die „Haltung des fließenden Wassers“. Die Armhaltung entspricht der Endposition des kagi tsuki, durch dessen Ellenbogenstellung zum Körper ein optimales Spannungsverhältnis entsteht. Dieses Prinzip findet auch in der Kata Jitte seine Anwendung. Weitere Prinzipien sind die wechselnden Abwehrformen zwischen jodan, chudan und gedan, Kontertechniken die gleichzeitig mit der Blickwendung geführt werden und die Angriffsvermeidung durch einen Sprung. Das Ergreifen des gegnerischen Armes und direkte Auskontern im Bunkai ist in dieser Form neu und schwer zu koordinieren.