Bassai - Der Sturm auf die Festung

Wir möchten euch auf dieser Seite einen kurzen Einblick in zwei der kraftvollsten Kata des Shotokan geben, der Bassai-Dai und der Bassai-Sho.

  kanji_basadai kanji_bassho

Die Bassai-Dai leitet sich aus der "Itosu no Passai" ab. Diese Karate-Kata war eine der ersten chinesischen Kata-Formen auf Okinawa. Es wird vermutet, dass diese Kata bereits im Jahre 1380 nach Okinawa gebracht wurde und dort im "Tode" (ältestes Selbstverteidigungssystem auf Okinawa) geübt wurde. Die Kata fand zwei unterschiedliche Wege nach Okinawa und entwickelte sich in verschiedenen Schulen weiter. Es existieren heute viele Variationen dieser dynamischen und kraftvollen Kata in verschiedenen Schulen wie Itosu, Tomari-Te oder Ishimine. Alle haben den gleichen Ursprung, wurden aber unterschiedlich interpretiert und übernommen. In Japan wurden sie dann zu der heutigen Form weiter entwickelt und seitdem nicht mehr verändert. Im Shotokan werden heute Bassai-Dai und Bassai-Sho geübt.

Elemente der Passai aus dem Shorin Ryu
Elemente der Passai aus dem Shorin Ryu

Die Bassai-Dai zeichnet sich durch einen entschlossenen Kampfgeist und kraftvolle Vitalität aus, sie sollte daher auch mit der entsprechenden Würde vorgetragen werden. Die Kata trainiert die Beherrschung der Ruhe in der Bewegung und den Wechsel daraus zum plötzlichen und entschlossenen Handeln. Die Ausführung sollte verdeutlichen, dass ein schweres Hindernis zu überwinden ist und man schwierige Probleme nur mit konzentrierter Kraft und einen starken Willen lösen kann. Der Übende muss versuchen, diese Haltung zu verinnerlichen, denn nur dann lernt er die Kata zu verstehen und ihren entschlossenen Geist ist nachzuvollziehen. Wegen ihrer entschlossenen Kraft, dem unwiderstehlichen Kampfgeist und ihrem eisernen Willen, die ein Meister sichtbar macht, wurde die Kata Bassai genannt, was ungefähr mit "Sturm auf die Festung" übersetzt wird.

 

Wichtige Techniken, die die Kata auszeichnen, sind Yama-Zuki, Uchi Ude Uke, Soto Ude Uke, Sukui Uke und Mikazuki Geri sowie das Gyaku Hanmi Prinzip. Als repräsentative Kata im Shotokan neben der Kanku-Dai wird sie nach den Heian-Kata gelehrt und ist obligatorisch für die Shodan-Prüfung.

Ausschnitt aus dem Bunkai der Bassai-Dai: morote age uke - tettsui hasami uchi - oi zuki
Ausschnitt aus dem Bunkai der Bassai-Dai:
morote age uke - tettsui hasami uchi - oi zuki

Eine weitere Kata, die zu dieser Gruppe gehört, ist die Bassai-Sho. Auch von dieser Kata gibt es viele Varianten in den verschiedenen Schulen, zum Beispiel bei Itosu, Matsumura, Oyadomari oder Ishimine. Sie hat aber dieselbe Herkunft wie die Bassai- Dai, sie wurde später nur durch andere Meister geprägt. Man sagt, dass sie von Itosu Sensei, der Heiligen Faust des Shuri-Te, gegründet wurde. Die Bassai ist nur in der Itosu-Schule in die zwei Formen Dai und Sho geteilt, was später im Shotokan übernommen wurde.

Der erste Teil der Bassai-Sho besteht hauptsächlich aus Angriffs- und Verteidigungstechniken gegen den Stock(Bo). Ihr Merkmal sind Angriffe auf Gelenke und Hebel, um dem Gegner den Bo zu entreißen. Ziel ist es, den Angreifer aus dem Gleichgewicht zu bringen und so zu besiegen. Im Gegensatz zur Bassai-Dai ist sie eine Kata für die Fortgeschrittenen, da oft Kokutsu Dachi / Morote Koko Uke oder Neko ashi Dachi verwendet werden. Außerdem wird viel die Bewegung der Hüfte durch Drehungen um 90 Grad und mehr geübt. Schon beim Zuschauen erkennt man klare Unterschiede zwischen diesen beiden Shotokan Katas. In der Bassai-Dai kommen hauptsächlich Techniken vor, die durch große und weite Ausholbewegungen gekennzeichnet sind. Dies zeigt auch der Name �Dai� (=groß, weit). Große Techniken sind erforderlich, um eine Festung zu stürmen, denn dies benötigt enorme Kräfte und kann mit kurzen Ausholbewegungen nicht erreicht werden. Außerdem ist das Schrittdiagramm (Enbusen) klarer und ähnlicher zu den fünf Unterstufen Katas. Die Bassai-Sho hingegen hat wenige weite Ausholbewegungen und ein schwierigeres Schrittdiagramm. Außerdem ist es schwieriger, Angriffe mit einen Bo abzuwehren und die entsprechenden Blöcke und Hebel richtig auszuführen. Obwohl sie nur wenig trainiert wird, lohnt es sich, die Kata zu beherrschen, da man dabei die Balance in tiefer Hüftstellung üben kann. Sie ist also eine ideale Kata für Braun- und Schwarzgurte und sollte nicht vergessen werden.

Ausschnitt aus dem Bunkai der Bassai-Sho: morote koku uke - suihei bo dori
Ausschnitt aus dem Bunkai der Bassai-Sho:
morote koku uke - suihei bo dori